Von der Raupe zur Seide
Seide beginnt mit einem Wunder der Natur. Einem kleinen, unscheinbaren Lebewesen, das in wenigen Wochen etwas hervorbringt, das Menschen seit Jahrtausenden fasziniert. Die Seidenspinnerraupe (Bombyx mori) ernährt sich ausschliesslich von den Blättern des weissen Maulbeerbaums. Diese Bäume wachsen direkt bei uns auf dem Hof. Sie sind die Grundlage für unsere Schweizer Seide.
Der Lebenszyklus einer Raupe dauert rund einen Monat und ist ein kleines Naturwunder.
[Bild Einleitung] Empfehlung: Maulbeerbaum auf dem Hof, Nahaufnahme Blätter oder Übersicht des Hofes – zeigt den Ursprung der Seide.
Ei
Das Leben beginnt als winziges Ei, nur wenige Millimeter gross. Ein weiblicher Falter kann 300 bis 500 Eier legen.

Eier des Seidenspinners – die Stecknadel rechts unten zeigt, wie winzig sie wirklich sind.
Larve (Raupe)
Nach dem Schlüpfen wächst die Raupe rasend schnell und häutet sich viermal. Sie braucht viel Futter, viermal täglich, möglichst immer zur selben Zeit. Maulbeerbllätter sind ihre einzige Nahrung, und das mit Leidenschaft: Kein anderes Blatt kommt für sie in Frage.

Eine unserer Seidenraupen kurz vor der Verpuppung.
Kokon
Nach rund vier Wochen beginnt die Raupe ihren Seidenkokon zu spinnen. Aus zwei speziellen Drüsen produziert sie einen einzigen, endlosen Seidenfaden. Je nach Rasse kann dieser zwischen 900 und 3.000 Meter lang sein, bei normalen Exemplaren rund 1.500 Meter.
Beim Einspinnen – ein einziger endloser Faden entsteht.
Frisch geerntete Kokons von unserem Hof.
Puppe und Falter
Im Innern des Kokons vollzieht sich eine der faszinierendsten Verwandlungen der Natur: die vollständige Metamorphose, auch Holometabolie genannt. Während dieses Stadiums befindet sich das Lebewesen in einem Zustand zwischen den Welten, weder Raupe noch Falter, weder tot noch wirklich lebendig. Die Puppe löst sich mit ihren eigenen Magensäuren nahezu vollständig auf.
Nur einzelne Zellen, die im Larvenstadium keine Funktion hatten, überleben diesen Prozess und bilden die Grundlage für den völlig neuen Organismus des Falters.
Unter natürlichen Bedingungen würde nach einigen Wochen ein weisser Falter schlüpfen. Dabei durchbricht er den Kokon und beschädigt den Seidenfaden. Ein beschädigter Kokon kann weder für Haspelseide noch für Kosmetik oder Medizin verwendet werden, da der Falter beim Schlüpfen die Seide auflöst, verschmutzt und den Faden durchtrennt. Deshalb wird der Kokon rechtzeitig getrocknet und die Metamorphose unterbrochen, bevor sich der Falter entwickelt. Nur so bleibt der wertvolle Seidenfaden in seiner ganzen Länge erhalten.
Der Seidenspinner ist ein Geschöpf, das über Jahrtausende vollständig auf den Menschen ausgerichtet wurde. Er kann nicht fliegen, nicht fressen und wäre in der freien Natur nicht überlebensfähig. Sein Leben als Falter hat nur ein einziges Ziel: die Paarung. Da wir keine eigene Zucht betreiben, beziehen wir die Eier jede Saison frisch von Swiss Silk.
[Bild Falter] Empfehlung: Weisser Falter auf Maulbeerblatt oder Hand, Nahaufnahme – zeigt das Ergebnis der Verwandlung. Nächste Saison fotografieren!
Vom Hof zu dir
Für einen einzigen Seidenschal werden bis zu 3.000 Kokons benötigt. Für ein Gläschen Seidenbalsam fliessen hunderte Stunden Arbeit ein, von der täglichen Fütterung der Raupen über die Ernte der Kokons bis zur sorgfältigen Verarbeitung. Jedes Produkt trägt die Geschichte unseres Hofes in sich. Schweizer Seide, mit Herzblut gemacht.
[Bild Abschluss] Empfehlung: Hände halten fertigen Seidenschal oder Seidenbalsam Gläschen, warmes Licht – verbindet Natur mit dem Produkt und schliesst die Geschichte ab.